KLEINE + ASSOZIIERTE ARCHITEKTEN UND STADTPLANER BDA

Die Architektur

Freude, Spaß, persönliches Engagement, Format und Durchsetzungskraft sind wesentliche Parameter für die Arbeit eines Architekten. Louis I. Kahn
hat diese Einstellung zur Arbeit eines Architekten in "Between Silence and Light" deutlich zum Ausdruck gebracht:
"Zu allererst fühlte ich mich voller Freude. Ich empfand das, woraus Freude entsteht und ich erkannte, daß allein Freude die treibende Kraft in mir gewesen sein muß, daß Freude jede Tat unseres Handelns ausmacht. Als die Welt noch ein Morast ohne Form und Ausrichtung war, muß diese Kraft der Freude schon geherrscht und zum Ausdruck gedrängt haben. Und auf irgendeine Weise wurde der Begriff Freude zum unermeßlichsten Wort.
Er war der Kern der Kreativität, das Wesen jeder schöpferischen Kraft. Ich erkannte, daß ich als Maler, bereit eine große Katastrophe zu malen, nicht den ersten Pinselstrich auf die Leinwand würde bringen können, ohne bei diesem Tun Freude zu empfinden. Du kannst keine Gebäude errichten, wenn du dich nicht in Freude darauf einläßt. Ich würde gern glauben, daß ich nicht und auch du nicht, während ich mit dir spreche, den Strom von Freude vergessen, den wir empfinden müssen. Sonst empfindest du nämlich überhaupt nichts. Wenn das, was ich sage, dieses Empfinden irgendwie verstärkt, wäre ich natürlich schrecklich erfreut und geehrt.."
(Übersetzung aus dem Englischen von Elisabeth Hämer)

Des weiteren muß Konzeptfindung im Vordergrund jeder Annäherung an ein Projekt stehen, denn Konzepte müssen Qualität enthalten und stark genug sein, um im Gebäude verankert die entsprechende Kraft und Aussage entfalten zu können. Ein Prozeß, der im permanenten Dialog mit den unterschiedlichsten Parametern steht. Allem voran: der Dialog mit dem Bauherren, aber natürlich auch der Dialog mit der Situation, dem Städtebau, der Funktion, der Ökologie etc. pp. All diesen entwurfsimmanenten Dialogen tritt der mitunter trockene -aber auch für das Ergebnis wichtige- Dialog mit den Kosten, den Terminen, den rechtlichen Belangen hinzu. Aus allen diesen Dialogen eine Synthese zu entwickeln, eine Antwort auf die "Fragen" zu finden, das ist unsereserachtens gute Architektur. Dieser dialogische Entwurfsansatz darf dabei nicht als Kompromissfindung fehlinterpretiert werden, gerade das hieße, daß der Dialog keine Antwort, sondern einen Kompromiß zum Ergebnis hat. Aber wir suchen die Antwort, die allumfassend eine eigene Qualität verspricht.
Nur, was ist ein gutes Konzept? Gibt es objektive Kriterien für die Bewertung von Architektur? Es gibt diese Kriterien!
Diese Erkenntnis widerspricht der allgemeinen Auffassung, daß Schönheit und Wert von Architektur subjektive Phänomene sind, völlig abhängig vom jeweiligen Geschmack des Betrachters. Wenn wir aber Einigkeit über den Grad an Ordnung erzielen können, also darüber, ob Architektur mehr oder weniger Wert hat, dann ist das eindeutig ein objektives Phänomen. Wir müssen eine Architektur- Grammatik, ein Architektur-Vokabular entwickeln, das allgemeingültig, objektiv und übertragbar ist. Dieses Wissen, diese Bindung ist eine Basis, eine Voraussetzung für neue Freiheiten, für das innovative Moment.
Architektonische Form läßt sich letztlich aus zwei wesentlichen Quellen ableiten: Zum einen aus dem Dialog mit dem Kontext, in dem sie entsteht, und zum anderen aus der Anwendung einer eigenen autonomen Architektursprache. Und die Grammatik dieser Sprache besteht aus architektonischen Archetypen, also Vorstellungsmodellen, Bautypen, Architektur- elementen, aus den verschiedenen Stilrichtungen, usw. Diese beiden Faktoren, der Kontext und die Grammatik sind auch die beiden einzigen, ureigenen der Architektur immanenten Quellen der Form: das Besondere und das allgemein Verbindliche. Wir beziehen uns hier auf Thomas Valena, der für eine kontextuelle Architektur spricht. Alle anderen Faktoren, sofern sie sich nicht auf den Kontext und die Grammatik beziehen, sind Fremdeinflüsse. Nehmen diese überhand, oder werden der Kontext und die Grammatik überhaupt nicht berücksichtigt, verliert die Architektur ihre Autonomie, die im Dialog begründet ist. Sie hört auf zu kommunizieren und läuft im extremen Fall Gefahr, zum willkürlich manipulierten Objekt zu werden. In diesem dialektischen Entwicklungsprozeß tendiert die Grammatik zum Optimalen, Idealen, zum Allgemeingültigen. Sie ist diejenige Hälfte der Architektur, die Ordnung ermöglicht und Strukturen entstehen läßt. Sie ist immer und überall verfügbar, denn als Idee ist sie mobil und frei übertragbar, und deshalb in verschiedenen Situationen verwendbar. Mit diesen Eigenschaften des Allgemeinen ist es doch auch jenes Prinzip, das die tragende Struktur (Textur) erzeugt und damit auch Felder für individuelle Figuren schafft. Wenn die Grammatik das Allgemeine bedeutet, dann bedeutet der Kontext das Individuelle, das Einmalige.
Oder anders gesagt: Wenn die Grammatik allgemein verständliche Strukturen erzeugt, dann stört und verändert sie der Kontext.
Es geht also in erster Linie darum, einen Überblick über die Grundelemente, Systeme, Ordnungen, über die materiellen, begreifbaren und erfahrbaren Komponenten der Architektur zu erarbeiten. Die Bedeutung liegt aber in der Wechselwirkung der Elemente und Systeme, deren gegenseitige Verknüpfung und Verstärkung schließlich zu einem geschlossenen Ganzen führen, und deren sichtbare Beziehungen untereinander und zum Ganzen wieder die Ordnung in der Architektur ausmachen. Diese Beziehungen schaffen die Grundlage eines wesentlichen und unverwechselbaren Werkes, dessen Ordnung vielleicht dauerhafter ist,als die Eingebung der Phantasie.




Vier Projekte in der Beurteilung

Erweiterung der Bezirksregierung Hannover
" ... Die Konzeption des Entwurfs überzeugt durch ihre klare Eindeutigkeit, den prägnant und richtig gewählten städtebaulichen Maßstab, eine hervorragende funktionale Anbindung sowie eine sehr konsequente an Kontrastierung orientierte Gestaltung. Der durch den Entwurf entstehende neue städtbauliche Maßstab wird vom Preisgericht befürwortet. Nach Süden zum Freiraum entsteht eine großmaßstäbliche "Stadtwand", die durch die geschickte, teilweise Überbrückung des vorhan-denen Gebäudes, eine sowohl funktional wie gestalterisch überzeugende Symbiose von Alt und Neu darstellt. Der Grundstücksverbrauch ist äußerst gering, wodurch weitgehende Dispositionsfreiheit für die Restflächen und insbesondere für den P+R Parkplatz verbleibt.... Die Erschließung über zwei vertikale Festpunkte ist hervorragend an das vorhandene innere Erschließungsgerüst angebunden und stellt eine sehr gute Vernetzung der neu zu schaffenden Räume mit den vorhandenen Arbeitsbereichen her. Die Anbindung an den vorhandenen Bau ist auch in gestalterischer Hinsicht überzeugend. Die konsequent reduzierte und auf ein flächiges Raster beschränkte Gestaltung der Fassaden steht in einem sehr spannungsreichen Kontrast zu dem Altbau, der in Form eines großen Fensters stadträumlich in Erscheinung tritt. Auch die Erscheinung der Neubaumaßnahme als rückwärtige Kulisse zum Waterlooplatz ist im Maßstab und in den Gestaltungsmitteln hervorragend gelungen.... Das Preisgericht empfiehlt, den Entwurf in der Weiterbearbeitung der 2. Stufe nicht zu verschlechtern."
(Auszug aus der Preisgerichtsbeurteilung nach der 1.Stufe, Vorsitz: Prof. Meinhard von Gerkan)

Institut für Marine Geowissenschaften, Kiel
"... Das strukturelle Entwurfskonzept ist folgerichtig aus der baulich gefaßten Wasserkante des südlichen Schwentineufers hierzu parallel entwickelt. Neue Gebäudestruktur und Kaimauer bilden so miteinander eine Einheit und stehen in spannungsvollem Kontrast zu gegenüberliegenden eher landschaftlichen Schwentineufer, aber auch zur landschaftlichen Böschung entlang der südlichen Grundstücksgrenze.... Die parallel zur Ufermauer entwickelte Gesamtstruktur mit den senkrecht zur Schwentinemündung gestellten Gebäude- riegeln und den dazwischen liegenden Höfen schafft ein wünschenswerte Durchlässigkeit und Transparenz zum Wasser und führt darüber hinaus zu einer hervorragenden Milieuqualität der Innen- und Außenräume. In Verbindung mit der angenehmen durchgehenden Dreigeschossigkeit erfährt auch das vorhandene südliche Wohngebiet eine begrüßenswerte starke Beziehung zur Schwentine. Die angebotene Einbeziehung vorhandener Hallen in die neue Baustruktur wird dabei positiv bewertet. Neben einem optimalen städtebaulichen Ergebnis wird mit der angebotenen Gebäudestruktur eine selbstverständliche Grundriß-gliederung erreicht, die der Aufgabenstellung GEOMAR-Institut in jeder Hinsicht und auf beste Weise gerecht wird: Vernetzung der Einzelbereiche, optimale Orientie-rung, Flexibilität während der Planung und nach Fertigstellung und hohe Raumqualität.... Die architektonische Formulierung der Innen- und Außenbereiche sowie die Gestaltqualität der Fassaden und ihrer Materialien entsprechen dem hohen Niveau des Gesamtentwurfes, der darüber hinaus als wirtschaftlich einzustufen ist."
(Auszug aus der Preisgerichtsbeurteilung, Vorsitz: Prof. Ulrich von Altenstadt)

BMW Niederlassung Hannover
" ... Es ist erstaunlich, daß gerade Firmen von technischen Hochleistungsprodukten, wie es Autos heute sind, davon hierzuland bisher kaum Gebrauch machen. Bei vielen Firmen dürfen immer noch die einzelnen Händler selbst bestimmen, was gut für ihre Kunden ist. BMW hat immerhin einige Richtlinien für seine Autohäuser aufgestellt, die aber auch noch nicht an eine einheitliche Corporate Identity herankommen. Als Bauherr hat BMW jedoch mit der Niederlassung in Hannover Maßstäbe gesetzt, obwohl aus den Bestandteilen Glas, Metall und weißer Wand etwas ganz "Einfaches" entstanden ist. Ein Dach, dessen Unterseite unverkleidet blieb, wird am Rand von schlanken Stützen gehalten; darunter kann man im Prinzip >alles machen<. Hier wurden gläserne Kuben hineingestellt, die die Verkaufsräume bilden - große freie Hallen, von oben mit einem Oberlicht zusätzlich belichtet. Die durchlaufende Galerie betont die Transparenz der Halle. Stahl als Baumaterial verlangt äußerste Präzision der Details, wenn die Konstruktion nicht diletantisch wirken soll: Die ist hier erreicht, die einzelnen Elemente sind gleichzeitig simpel und präzise. Ein gewelltes Vordach bildet einen beinahe spielerischen Auftakt. Produkt und Hülle entsprechen sich, der von der Werbung versprochene Fahrspaß wird als Kaufspaß in Architektur übersetzt ... "
(Gerd Kähler: Architektur in Niedersachsen 1970-1995)

Zentrale der Kreissparkasse Meppen
"...Die städtebaulichen Qualitäten sind voll gegeben. Die maßstäbliche Baukörperbildung paßt sehr gut in die Umgebung ohne sich anzubiedern. Die Platz-gestaltung an der Seite "Am Neuen Markt" ist attraktiv und interessant. Sie bildet einen natürlichen Trichter zur Lenkung des Kundenstroms in die ansprechende Kundenhalle. Die Hinterstraße erfährt eine Aufwertung in Form eines aussagefähigen Eingangs in Verbindung mit einer gegliederten Fassade, die auf den Nachbarn eingeht. Die streng und klar gegliederten Fassaden sind raffiniert ausgearbeitet und dem Ort angepaßt durch Verwendung von Sandsteinen und gegliederten Ziegelbauteilen. Im Inneren wird die Zonierung der Kundenflächen mit entsprechender Staffelung von Laut zu Leise sehr gut gelöst. Der Schulungs-und Casinobereich ist ideal angeordnet und sehr gut erschlossen: Besonders hinsichtlich der Ausrichtung zum Garten und zur Himmelsrichtung. Außerdem mit der Öffnung zu einer Freiterrasse. Insgesamt ist es ein klar gegliederter Grundriss, der sehr viel Flexibilität der Nutzungen bietet. ... Der zusätzliche Eingang für diskretionsbedürftige Kunden ist besonders herauszuheben. Das Raumprogramm ist gut erfüllt. Abstriche in Reserveflächen und Ladenflächen beeinträchtigen die Funktion und Nutzung nicht. Die Stellplätze in der Tiefgarage sind sehr wirtschaftlich angeordnet. Baukörperbildung, Fassadengestaltung und Volumen lassen eine sehr wirtschaftliche Realisierung erwarten."
(Auszug aus der Preisgerichtsbeurteilung, Vorsitz: Prof. Manfred Schomers)

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